die vermessung der männlichkeit

oh männer, ihr männer, ich verrat euch eines:ich würd nicht mit euch tauschen wollen. nicht trotz all der hürden.nicht trotz all der leiden.nicht trotz all der ungerechtigkeiten, die ihr uns auferlegt habt.sondern deshalb, weil ich nicht so werden wollen würde wie ihr werden musstet. so vermessen.so verbissen.so abgeriegelt.immer hart.immer kontrolliert.immer in bereitschaft,als wär zärtlichkeit ein […]

my public womb

ich wollte immer kinder. als kind spielte ich vater-mutter-kind. der vater spielte zwar nicht mit. aber egal. als jugendliche glaubte ich fest an familie. frauen, die ihren sinn im beruf suchten, erschienen mir damals wie selbstverliebte, aber tragische randerscheinungen. ich dagegen hegte hehre lebensziele: wenn ich mit 28 noch keine mutter bin, werde ich nonne. […]

die tölpel der liebe

wenn es um liebe geht, werden menschen zu tölpeln. der wunsch nach nähe, zuneigung, sexualität trübt den blick. die meisten von uns sehen durch eine rosarote brille. einige aber tragen eine rote. rot, weil sie die rote pille geschluckt haben und sich in die manosphere gestürzt haben. dorthin, wo ihnen landkarten gereicht werden, auf denen angeblich […]

es gibt keine rehe auf ibiza

„Du, Papa, ich will ein Reh, ein echtes, mit großen Augen, eines, das mir aus der Hand frisst, und es soll nur mir gehören.“ „Aber liebes, es gibt keine Rehe auf Ibiza“, sprach der Vater zu seiner Tochter im Infinity Pool und blickt hinaus aufs Meer. „Ich will aber, ich will etwas, das niemand sonst hat.“ Er lächelt […]

die vermessung der liebe

dereinst sprachen die alten: wir haben länder vermessen,tiere, körper, gebärmütter. es ist an der zeit, die liebe zu vermessen.  also zogen sie linien durch herzen. grenzen durch begehren.koordinaten über die haut. sie legten fest wer wen lieben darf. wer wie stark. wer mit welchem zweck.  und das regelwerk las sich so:liebe hat funktional zu sein.reproduktiv. systemerhaltend. […]

martinique

martinique, wie fühlt es sich an,entdeckt zu werden?als wärst du vorher nur leereim rauschen gewesen.als hätte dein nameerst existiert,als man ihn überschrieb. martinique, wie fühlt es sich an,vermessen zu werden?kalte instrumente an deinen küsten,breitengrade wie messerzüge,längengrade als narben.dein horizont in raster gesperrt,deine wälder zur ressource erklärt. martinique, spürst du es,wenn man dich kartiert?wenn deine flüssezu […]

weib, vermessenes

weib, vermessenes,du wagst es,dein übermaß ins sonnenlicht zu tragen?deine adipösen fleischberge der adria ohne genehmigung aufzudrücken?deinen busen schamlosder kvarner bucht aufzuzwingen?dein gesicht ungebügeltmit frechem grinsen ins balkanland zu schicken? weib, vermessenes,bedecke deine cellulite-archipele.verhüll dein altersdelta.glätte deine faltenreliefs,deine dellen und gräben. weib, vermessenes,hörst du sie nicht,die walwitze im küstenwind?das fettflossenfeixen,das blubbernde bodyshamingaus den badebuchten der normierten? […]

mamacita

mamacita — brennt er?der vulkan in dir,dieser unterirdische würgeengelmit glühender wut als magmaund einer lava, die nicht fließen kann,und stockt, staut —wie geschluckter donner.mamacita — schmeckt er metallisch?dieser reflux ausverschluckten worten,der dir die speiseröhre ritztund dir das zwerchfellzu einer knotenbank fesselt.„ich kann nicht atmen“ schreit hysterisch deine innenbauchsirene.mamacita — schnürt dir dein korsett die lebensfreude ab?contenance […]

mundart. unartige weanarisch österreischische poesie.

die Luschin hat in der vergangenen Wochen begonnen immer wieder ganz derb wienerisch-österreichisch zu ihren kunstwerken zu dichten. nach h.c. artmann-manier, nur nach ihrem mund, der weder steirisch, noch weanarisch, noch kantnarisch, sondern ein gemisch aus allen möglichen dialekten ist.

das kuschelweiche gold der nomaden

Für das Gras, das du eben gefressen hast, oh Ziege,
gib uns gute Pashmina.
Für das Wasser, das du eben getrunken hast, oh Ziege,
gib uns gute Pashmina.
Leg dich ins Gras und halt still, oh Ziege,
damit wir deine Pashmina nehmen können.