ich wollte immer kinder. als kind spielte ich vater-mutter-kind. der vater spielte zwar nicht mit. aber egal.
als jugendliche glaubte ich fest an familie. frauen, die ihren sinn im beruf suchten, erschienen mir damals wie selbstverliebte, aber tragische randerscheinungen. ich dagegen hegte hehre lebensziele: wenn ich mit 28 noch keine mutter bin, werde ich nonne. mit 29 erst wurde ich schwanger. noch keine mutter, aber immerhin auch keine ordensschwester. kurz vor 30 war ich es dann: mutter.
mein leben verschob sich mit einem schlag. das des kindesvaters – eher mit einem sanften wangenstreichler – nur minimal. plötzlich wurde jede entscheidung zuerst an den bedürfnissen eines anderen menschen gemessen. meine wünsche rückten an den rand der karte.
ich war viel allein. mit kind. arbeitete trotzdem. schlief wenig.
und wollte trotzdem ein zweites kind. weil zwei selbstverständlich wirken. gesellschaft und biologie nicken sich an dieser stelle gern zustimmend zu und prosteten sich zu. pflicht erfüllt. die pronatalist:innen überreichen das ehrenkreuz des mindesterhalts der menschheit.
und dann – kurz vor vierzig – der hormonelle supergau. ein drittes. kopf und verstand protestierten. die hormone flüsterten in ohrenbetäubender lautstärke: kannst du. schaffst du. mach schon.
wir kämpfen als frauen nicht nur gegen gesellschaftliche erwartungen. wir kämpfen auch gegen das, was in uns selbst arbeitet. beide zusammen sprechen erstaunlich überzeugend ihr gehirnwäschemantra:
gebären.
gebären.
gebären.
so lautet die kartografie der gebärmutter. man hat uns vermessen. linien gezogen. zentren bestimmt. koordinaten festgelegt. hier der pol. hier der nullpunkt. hier beginnt das leben.unsere bestimmung, sagt man. manchmal nennt man es sogar unsere macht. kürzlich hörte ich den gutgemeinten rat, frauen sollten sich weigern zu gebären, um ihre rechte einzufordern. ein gebärstreik. als ließe sich der körper stilllegen wie ein staatsgebiet. wenn es so einfach wäre. wahrscheinlich würden wir schneller in rote roben gesteckt werden, über deren körper staatlich verfügt wird, als wir „selbstbestimmung“ zu ende buchstabieren können.
zwischen gesellschaft und hormonen bleibt für unsere eigenen wünsche kaum platz. beide säen kinder in uns – im namen des fortbestands der menschheit. jener menschheit, die längst aus allen nähten platzt und gerade dabei ist, sich in ihrer parasitären wütungsgewalt selbst zu vernichten. wirf kinder. halte die linie. und dich selbst klein.
kinder sichern nicht nur den fortbestand der menschheit. sie sichern auch den fortbestand der ordnung. denn nicht nur das gebären ist unsere aufgabe. auch das großziehen. und solange wir großziehen, haben wir keine zeit und energie, dinge in frage zu stellen.
gebärmutter. erziehmutter.
weigert sich eine frau kinder zu bekommen, wird ihre vernunft angezweifelt. „der wunsch kommt schon noch.“ „du wirst es bereuen.“ „du wirst im alter allein sein.“
seltsam nur, dass niemand frauen fragt, die kinder bekommen wollen: „bist du sicher?“ „hast du dir das gut überlegt?“ „du wirst es bereuen.“ „du wirst in altersarmut enden.“
don’t get me wrong. ich liebe meine kinder. kinder zu haben ist etwas wunderbares.
in einer welt, in der ihre sorge nicht allein auf den schultern der mutter lastet.
in einer welt, in der väter selbstverständlich und gleichermaßen teil dieser landschaft sind.
in einer welt, in der gesellschaft kinder nicht nur fordert, sondern sie auch trägt. strukturen, die halten.
damit frauen nicht zerbrechen. finanziell. physisch.psychisch.