mein bauch und ich. keine love story. und trotzdem: wir waren den großteil meines lebens besties. während ich fast jeden anderen teil meines körpers gehasst habe, waren busen und bauch meine friends. beine, oberarme, gesicht: erzfeinde. ewige baustellen. körperliche problem-zonen im kopf, lange bevor sie wirkliche mängel aufwiesen.
aber die jahre, die drei schwangerschaften, die schwerkraft und die nahenden wechseljahre haben an meinen lieblingen gezehrt. sie haben sie nicht zerstört, aber gezeichnet. und plötzlich ist das gesamtpaket nicht mehr so wirklich passabel. nicht mehr herzeigbar. besser gut verpacken. auch bei 40 grad im sommer. frauenkörper mit fast 50. bwäh. aber die heidi klum … und die stählernen, gebotoxten frauen auf insta …
also liegts wohl an mir. ich bin halt nur faul. ich könnt mich schon noch trimmen, wenn ich wollte. tu ich aber nicht.
ich präsentier stattdessen meine undefinierte waumpn der öffentlichkeit. bring sie auch noch auf die leinwand. bwäh. geht’s noch? keinen anstand? keine decency? ich hab lang überlegt, ob ich dazu stehen soll, dass das tatsächlich ein selbstbauchportrait ist. ich hätt ja auch sagen können: is halt so ein bauch. von so irgendeiner alten. fiktionalisiert. künstlerisch distanziert. eh nicht meiner. aber meine bilder entstehen immer auch in der auseinandersetzung mit mir. mit dem, was weh tut. mit dem, was an mir nagt. und ich lerne nach jahrzehnten des selbsthasses langsam, meinen körper anzuschauen, ohne sofort an die nächste diät zu denken.
an einem punkt, an dem mein körper definitiv schon bessere zeiten hatte, beginne ich, ihn nicht mehr wie ein misslungenes projekt zu behandeln. ich habe mehr lebenszeit mit plänen zur gewichtsreduktion verbracht als ohne. mehr gedanken darauf verwendet, was nicht stimmt mit mir, als darauf, was an mir eigentlich gut und schön ist. ich habe mich öfter als mangelware gesehen als als mensch. als etwas, das verbessert, optimiert, reduziert, diszipliniert werden muss.
heute blicke ich mit wehmut auf diese zeit zurück. ich habe zeit verschwendet. damit, anderen zu gefallen. statt mir. damit, meinen wert daran zu messen, ob ich gemocht werde. ob ich ansehnlich bin. begehrbar. liebenswert. in der welt, in der ich groß geworden bin, hatten frauen vor allem optisch wertvoll zu sein. als mädchen und junge frau hätte ich meine anderen talente jederzeit gegen perfekte schönheit eingetauscht. schöne mädchen hatten viele freund:innen. schöne mädchen wurden bewundert. schöne mädchen wurden geliebt. in meiner gedankenwelt war das so. und es ist verdammt schwer, diese alten bilder durch neue zu ersetzen.
also habe ich meinen bauch bestickt. mit blühenden blumen. ein paradoxes absurdum: den bauch einer fast 50-jährigen erblühen zu lassen. ausgerechnet jetzt. einen bauch lieben zu lernen, der an jedem anderen punkt in meinem leben straffer, glatter, näher am erlaubten ideal war. e
es ist längst überfällig, ihm und allen anderen teilen meines körpers dankbar zu sein. dafür, dass sie mich durch dieses leben getragen haben. dafür, dass sie mich all das tun haben lassen, was mir irgendwann wichtig war. ich war auf einem 6.000er. ich bin einen halbmarathon gelaufen. ich habe drei kinder zur welt gebracht. ich schupfe mein leben und das leben meiner söhne trotz aller widrigkeiten. ich bin gesund. ich lebe. und ich werde geliebt.
ich liebe.