die vermessung der mütter

zeit, sich mit der vermessung der mütter zu beschäftigen. denn hier wird besonders viel gemessen, eingekastelt, eingegrenzt. und vielleicht ist genau das der punkt: dass mutterschaft nicht einfach gelebt wird, sondern permanent bewertet.

hätt ich das als junges mädchen wirklich verstanden – nicht nur gehört, sondern begriffen – wär ich heute vielleicht nicht mutter von drei kindern.

muttersein ist der wohl härteste job der welt. unbezahlt, selbstverständlich. aber fast noch gravierender: es ist einer der einsamsten. zumindest in der westlichen welt, in der gemeinschaft beim aufziehen von kindern kaum mehr existiert. als mutter bist du oft allein. sehr allein. besonders in den ersten lebensjahren.

und trotzdem sprechen wir über die male loneliness epidemic. nicht über die mothers loneliness epidemic.

wenig schlaf. dafür ein erwartungsdruck, der kaum auszuhalten ist. perfekt sein. das kind nach höchsten pädagogischen standards erziehen. frühförderung, spätförderung, alles dazwischen. präsent sein, aber nicht erdrücken. autonomie fördern und gleichzeitig liebevoll auffangen.

und dann der nächste spagat: dich aufopfern in der mutterrolle, aber bitte auch arbeiten. aber nicht zu viel, weil das kind leidet. aber auch nicht zu wenig, weil – das wird ja wohl noch zu schaffen sein.

und ach ja: partnerin bleiben. sexy. entspannt. bitte nicht dauernd über den haushalt schimpfen, den du ja nebenbei auch perfekt schupfst. ausser natürlich, du hast unterstützung. aber auch das bitte nicht zu sichtbar. denn wer hilfe annimmt, zeigt schwäche. eine „gute“ mutter macht das allein.

zehn arme. auf jedem muskeln wie schwarzenegger. der schlaf einer eintagsfliege. die energie eines duracell-männchens* – betonung auf männchen.

und irgendwo dazwischen verschwindet sie. die mutter. nicht tot. aber vermessen. zerlegt in erwartungen, normen, idealbilder.

länger kann ich nicht werden.

mein sohn kommt gleich nach hause. dann muss ich wieder mutter sein.

*zwischenzeitlich hab ich mich erinnert, dass es sich um ein häschen, nicht ein männchen handelt. das passiert eben mit müttergehirnen, die zu voll mit terminen, sorgen, planungen usw sind.