„Du, Papa, ich will ein Reh, ein echtes, mit großen Augen, eines, das mir aus der Hand frisst, und es soll nur mir gehören.“
„Aber liebes, es gibt keine Rehe auf Ibiza“, sprach der Vater zu seiner Tochter im Infinity Pool und blickt hinaus aufs Meer.
„Ich will aber, ich will etwas, das niemand sonst hat.“ Er lächelt milde, als hätte sie sich ein Eis gewünscht. „Es gibt keine Rehe auf Ibiza“, sagt er noch einmal, dann ruft er jemanden an.
Eine Woche später steht eine Transportkiste im Schatten der Pinien. Er lässt hohe Zäune bauen, eine neue Bewässerungsanlage installieren, lässt Bäume pflanzen, die hier nicht wachsen sollten.
Das Reh frisst junge Triebe, es schält Rinde, der Boden wird hart unter seinen Hufen. Pflanzen, die nur hier vorkommen, verschwinden leise, Insekten folgen, Vögel bleiben aus. Mehr Wasser wird gepumpt, mehr Schatten simuliert, mehr Futter geliefert, mehr Kosten verbucht, mehr Verluste einkalkuliert.
„Papa, warum sind die Bäume tot?„
„Sie sind nicht tot, sie werden ersetzt.“
„Papa, warum liegt mein Reh so still?„
„Es wird ein neues kommen, liebes.“ Es gibt keine Rehe auf Ibiza, aber es gibt Geld, das jede Grenze verschiebt. Es gibt Macht, die Klima, Boden und Zeit zur Verhandlungsmasse erklärt. Und wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerät, nennen wir es nicht vermessen. Für Macht gibt es kein Maß.