martinique, wie fühlt es sich an,
entdeckt zu werden?
als wärst du vorher nur leere
im rauschen gewesen.
als hätte dein name
erst existiert,
als man ihn überschrieb.
martinique, wie fühlt es sich an,
vermessen zu werden?
kalte instrumente an deinen küsten,
breitengrade wie messerzüge,
längengrade als narben.
dein horizont in raster gesperrt,
deine wälder zur ressource erklärt.
martinique, spürst du es,
wenn man dich kartiert?
wenn deine flüsse
zu blauen linien schrumpfen,
deine berge
zu symbolen,
deine dörfer
zu punkten mit legende?
wenn dein körper
in legendenkästchen gequetscht wird?
martinique, wie klingt
inbesitznahme?
wie das schlagen eines pfahls
in feuchten sand?
wie das rascheln von papieren,
die dich zu „übersee“ erklären?
wie stille freiheit,
die plötzlich uniform trägt?
martinique — wie lange
schluckst du das?
die flaggen,
die generäle,
die unterdrückung,
die verträge,
die niemand mit dir
verhandelt hat.
martinique — beb!
lass deine plattengrenzen sprechen.
lass die tiefsee knirschen
schieb die tektonik hoch
martinique — eruptiere!
werd‘ zum magma mit erinnerung.
zum erdbeben,
das fremde koordinaten abschüttelt,
zur feuerflut,
die die karten zum lodern bringt.
martinique – bist du land oder frau?